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Kathedrale von Santiago de Compostela: Besuchsleitfaden

📍 15704 Santiago de Compostela, Spagna

Praza do Obradoiro, s/n, 15704 Santiago de Compostela, A Coruña, Spagna ★★★★☆ 0 views
Rania Nadal
15704 Santiago de Compostela
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Die Umarmung der Statue des San Giacomo ist der Moment, auf den Tausende von Pilgern wochenlang, manchmal monatelang warten, während sie durch Berge und Ebenen wandern. Wenn man schließlich die Heilige Pforte überschreitet und in das Kirchenschiff der Kathedrale eintritt, scheint das Gewicht der Rucksäcke plötzlich zu verschwinden. Das ist keine Rhetorik: es ist die seltsame Physik eines Ortes, an dem die kollektive Emotion in der Luft fast greifbar wird.

Die Kathedrale von Santiago de Compostela erhebt sich im Herzen der gleichnamigen galizischen Stadt im Nordwesten Spaniens. Ihr Bau begann im 1075, initiiert von König Alfonso VI. von Kastilien und León, und setzte sich über Jahrhunderte hinweg durch successive stilistische Schichtungen fort. Das Ergebnis ist ein Gebäude, das den ursprünglichen romanischen Stil der Schiffe mit den barocken Türmen der Fassade des Obradoiro mischt, die im 1750 vom Architekten Fernando de Casas Novoa vollendet wurden. Diese beiden Zwillings-Türme, die über 74 Meter hoch aufragen, sind das ikonische Bild, das jeder Pilger bei seiner Ankunft auf dem Hauptplatz erkennt.

Das Innere: Stein, Gold und die Umarmung des Heiligen Jakobus

In die Kathedrale einzutreten bedeutet, in ein dichtes Halbdunkel einzutauchen, unterbrochen von Lichtstrahlen, die durch die hohen Fenster filtern. Das zentrale romanische Kirchenschiff ist breit und feierlich, mit massiven Säulen, die den Raum zum Hauptaltar gliedern. In der Mitte des Presbyteriums befindet sich der barocke Baldachin, überragt von einer vergoldeten Statue des Apostels Jakobus. Um ihn zu erreichen, muss man eine kleine Treppe hinter dem Altar hinaufsteigen: Das Ritual sieht vor, die Statue von hinten zu umarmen, eine Geste, die die Pilger nach hunderten von Kilometern zurückgelegtem Weg vollziehen.

Unter dem Hauptaltar befindet sich die Gruft, in der laut Tradition die Reliquien des Apostels aufbewahrt werden. Der Zugang ist kostenlos und der enge Gang sorgt unvermeidlich für Warteschlangen zu den Stoßzeiten. Es lohnt sich zu warten: Die silberne Urne und die beschauliche Atmosphäre der Gruft bieten einen Moment authentischen Schweigens, der während der Hochsaison in der Kathedrale schwer zu finden ist.

Der Botafumeiro: wenn der Riese zwischen den Schiffen fliegt

Der Botafumeiro ist eines der bekanntesten liturgischen Objekte Europas. Es handelt sich um einen riesigen Weihrauchbehälter — den Räucherofen — der etwa 53 Kilogramm wiegt und, wenn er in Bewegung gesetzt wird, an einem über 60 Meter langen Seil durch das Querschiff der Kathedrale schwingt, dabei erhebliche Geschwindigkeiten und beeindruckende Höhen erreicht. Das Spektakel dauert nur wenige Minuten, hinterlässt aber Atemlosigkeit.

Die Zeremonie des Botafumeiro findet nicht bei jeder Messe statt: Sie ist den feierlichen Messen vorbehalten, insbesondere der des Pilgers, die jeden Tag um Mittag gefeiert wird, aber der Botafumeiro wird nur bei besonderen Anlässen oder wenn eine Gruppe von Pilgern darum bittet und zu den Kosten beiträgt, verwendet. Um sicherzustellen, dass man ihn in Aktion sieht, ist es ratsam, den liturgischen Kalender auf der offiziellen Website der Kathedrale zu überprüfen oder sich direkt im Pilgerbüro zu erkundigen. Die acht Zieher, die das Seil bedienen, werden tiraboleiros genannt: ihre Koordination ist präzise und fast choreografisch.

Der Platz del Obradoiro und die Umgebung

Der Platz del Obradoiro ist das pulsierende Herz der Ankunft: Hier setzen sich die Pilger auf den Boden, ziehen ihre Stiefel aus und weinen oft. Der Platz ist auf vier Seiten von historischen Gebäuden umgeben — dem Pazo de Raxoi, dem Colegio de San Jerónimo, dem Hostal de los Reyes Católicos (heute ein Luxushotel, das im 16. Jahrhundert erbaut wurde, um kranke Pilger aufzunehmen) und natürlich der Fassade der Kathedrale. Rund um den Platz zu gehen und die vier Gebäude zusammen zu betrachten, zeigt, wie sehr dieser Raum im Laufe der Jahrhunderte als heilige Kulisse gestaltet wurde.

Die Kathedrale verfügt auch über ein Museum in ihrem Inneren, das gegen Gebühr zugänglich ist und Stücke romanischer Kunst, Gobelins von Goya und die Sammlung historischer Botafumeiros aufbewahrt. Das Ticket für das Museum beinhaltet den Zugang zur Dachterrasse, von der aus man einen nahen Blick auf die barocken Türme und die Dächer der Altstadt hat, die 1985 zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt wurde.

Praktische Tipps für den Besuch

Der Eintritt zur Kathedrale ist kostenlos, während das Museum etwa 10 Euro kostet. Die Öffnungszeiten variieren je nach Saison, aber im Allgemeinen ist die Kathedrale von den frühen Morgenstunden bis zum Abend zugänglich. Der nützlichste Rat ist, vor 9 Uhr morgens in den Sommermonaten zu kommen: Der Zustrom von Pilgern und Touristen wird ab der Mitte des Vormittags massiv, was es schwierig macht, ruhig vor dem Altar oder in der Krypta zu verweilen. Wer nach dem Weg zu Fuß ankommt, hat oft Vorrang in den Warteschlangen für die Umarmung der Statue, aber das ist keine festgeschriebene Regel.

Santiago de Compostela ist mit dem Flugzeug über den Internationalen Flughafen Lavacolla zu erreichen, der etwa 12 Kilometer vom Zentrum entfernt ist, oder mit dem Zug vom Bahnhof Santiago. Die Altstadt ist vollständig zu Fuß begehbar und die Kathedrale befindet sich nur wenige Minuten von jedem Punkt der Altstadt entfernt. Bequeme Schuhe zu tragen ist selbstverständlich, aber weniger offensichtlich ist, dass der Boden der Kathedrale rutschig sein kann: Die über Jahrhunderte geglätteten Steine verzeihen glatten Sohlen nicht.

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